§ 850k Abs. 4 ZPO – Antrag selbst gestellt – Wenn der Lohn aufs Konto kommt, Teil 2

Wie man bei einer Kontopfändung einen Antrag nach § 850k Abs. 4 Zivilprozessordnung (ZPO) selbst stellt und seine Rechte sichert

850k Abs. 4 ZPO

Teil 1 des Artikels: Bitte hier klicken

[April 2016] Wir haben im 1. Teil gesehen, warum und wo ein Antrag zur Freigabe des Kontos gestellt werden muss. Der Gesetzgeber hat zugunsten einer einfachen praktischen Handhabe für die Banken sehr viele Dinge dem betroffenen Schuldner überlassen. Im Bereich des Kontoschutzes geht das so weit, dass ohne Aktivität des Schuldners dort auch erhebliche Teile des unpfändbaren Einkommens verloren gehen können. Wer sich nicht kümmert, kann also viel verlieren.

Das „Wie“ des Schutzes haben wir bisher nur theoretisch besprochen. Jetzt soll der praktische Teil folgen und die Frage beantworten: Wie zum Teufel muss ich diesen verdammten Antrag stellen? Wir konzentrieren uns dabei auf den Fall, bei dem Lohn und Konto parallel gepfändet werden, also eine Lohn- und eine Kontopfändung vorliegt (unechte Doppelpfändung). Den Fall einer Kontopfändung ohne gleichzeitige Lohnpfändung besprechen wir am Ende als speziellen Fall (unten unter V. 3.). Auch auf den speziellen Fall der Kombination Lohnabtretung/ Kontopfändung kommen wir zu sprechen (siehe unter V. 4.)

Exkurs: Warum so kompliziert? Was ist eine unechte Doppelpfändung?

Kommen wir nun aber zur Sache: Die Antragstellung besteht aus einleitenden Angaben,  Anträgen, der Begründung und den beizufügenden Nachweisen. Wir werden diese Punkte nachfolgend der Reihe nach erklären und mit Beispielen versehen.

 

I. Der Kopf des Ganzen: Einleitende Angaben

 

Hier müssen Sie angeben, gegen welche Pfändung/en Sie sich wenden. Dies sind bei einem Antrag nach § 850k Abs. 4 ZPO nur die Kontopfändungen! Folgende Form sollten Sie in etwa beachten:

An das Amtsgericht Musterstadt

– Vollstreckungsgericht –

Vollstreckungssache Mischa Mustermann, Mustermanstraße 1, 11111 Musterstadt

Ihr Zeichen:       [Zeichen der Vollstreckung, gegen die Sie sich wenden]

Pfändungsschutz nach § 850k Abs. 4 ZPO für das Konto

Bank: [Anschrift, am besten hier auch Telefon- und Faxnummer angeben, damit das Gericht die Beschlüsse auf kurzem Weg dorthin übermitteln kann]

Konto-Nr. bzw. IBAN:  111-1111-111

In der Vollstreckungssache

A        Theo Gläubiger AG, Theodor-Gläubiger-Allee 1, 60486 Frankfurt/M, Proz.-Bev. Rechtsanwälte Volldergnade und Partner, PfÜB v. 12.04.16 M 4521/16

B       […]*

gegen

         Mischa Mustermann, Mustermanstraße 1, 11111 Musterstadt

wird beantragt […]

Antrag selbst stellen nach § 850k* Sollte es mehr als eine Pfändung auf dem Konto geben, müssen diese alle hier aufgeführt werden (A, B, C usw., wenn es Ihnen besser gefällt natürlich auch gern 1., 2., 3. …); die Reihenfolge ist nicht wichtig, aber die Vollständigkeit. Wenn Sie hier auch nur eine Kontopfändung vergessen und der Beschluss für diese Pfändung deshalb nicht gilt, können Sie die Freigabe nicht erreichen, weil dann bezüglich dieser fehlenden Pfändung kein Beschluss ergangen ist. Zu diesem Problem (und zu dem Fall, dass die Pfändung über verschiedene Stellen ergangen ist also z.B. verschiedene Amtsgerichte, Amtsgericht und Finanzamt usw.) lesen Sie bitte in unserem 1. Teil.

Tipp
Die Lohnpfändungen brauchen Sie hier noch nicht unbedingt anzugeben, da diese nicht Gegenstand des Antrags sondern nur Antragsvoraussetzung sind (Sie stellen hier einen Antrag auf Beschränkung der Kontopfändung[en]). Sie sollten, wenn möglich, diese Lohnpfändungen aber zumindest in der Begründung näher aufführen. Am besten (falls vorhanden) ist es, dort auch die Vollstreckungszeichen der Lohnpfändungen aufzuführen.

 

II. Die Hauptsache: Die Anträge

 

Ihr Begehren findet in den Anträgen Ausdruck. Unter dem Antrag versteht der Jurist die Kurzfassung Ihres Begehrens (im Unterschied zur nachfolgenden Begründung der Anträge). Am besten stellt man die Anträge so, wie das Gericht sie beschließen soll bzw. kann. Für den Antrag nach § 850k Abs. 4 ZPO gibt es drei denkbare Einzelanträge, von denen Sie zumindest die ersten beiden immer stellen müssen:

  1. Antragstellung bezüglich Freigabe (Hauptantrag)
  2. Antragstellung bezüglich vorläufiger Einstellung.
  3. Sonstiges

 

1. Der Hauptantrag

 

Der Hauptantrag kann etwa wie folgt lauten:

[…] wird beantragt,

  1. den unpfändbaren Anteil der laufenden Einkünfte gem. § 850k Abs. 4 ZPO freizugeben und die Pfändung des Kontos insoweit aufzuheben, soweit es sich um Zahlungen des Arbeitgebers des Antragstellers, [Name und Anschrift Arbeitgeber/Rentenstelle/andere Einkommenszahlstelle], handelt

Das also ist der eigentliche Antrag. Sollte der Name der Einkommenszahlstelle hier wesentlich von dem abweichen, was auf dem Kontoauszug sichtbar ist, sollten Sie darauf in der Begründung hinweisen oder ggf. den Antrag anpassen. Die Bank, die den Beschluss am Ende erhält und beachten muss, hat große Schwierigkeiten, wenn der Name nicht mit dem übereinstimmt, der im Beschluss steht. Die Umfirmierung einer Firma reicht aus (vorher XYZ Gmbh, dann XYZ AG), dass die Bank die weitere Beachtung des Beschlusses ablehnt und ein neuer Antrag erforderlich wird.

Bitte beachten Sie
Diesen Antrag können Sie auf diese Weise nur dann stellen, wenn neben der Kontopfändung bereits eine Lohnpfändung (oder offengelegte Lohnabtretung) vorliegt. Den Fall, dass nur eine Kontopfändung vorliegt, aber keine Lohnpfändung, haben wir unter 3. Es liegt nur eine Kontopfändung vor aufgenommen und besprochen.

 

2. Antrag auf vorläufige Einstellung der Pfändung

 

Antrag stellenAuch dazu lesen Sie bitte bei Bedarf unsere einführende Darstellung in unserem 1. Teil.

Merke: Der Antrag auf vorläufige Einstellung der Vollstreckung bewirkt nicht, dass die Gelder freigegeben und sofort an den Schuldner ausbezahlt werden; das geschieht erst, wenn das Gericht den Antrag zu 1. stattgibt.

Aber diese Einstellung bewirkt, dass bis zur Entscheidung zum Hauptantrag nicht weiter Gelder von der Bank an den Gläubiger abgeführt werden, so dass der Antragsteller diese erhält, falls das Gericht seinem Hauptantrag später stattgibt. Zur Sicherung dieser Zahlung ab Antragstellung ist die Stellung des Antrages auf vorläufige Einstellung unerlässlich.

Der Antrag zur vorläufigen Einstellung lautet kurz und gut:

2. die Vollstreckung bis zur Entscheidung des Gerichts einstweilig einzustellen

 

3. Sonstiges

 

Hier gilt das Prinzip: Kann nicht schaden, muss aber nicht sein. Man kann hier zum Beispiel einen „Klarstellungsantrag“ unterbringen, über den das Gericht eigentlich nicht extra entscheiden müsste, da sich die Wirkungen direkt aus dem Gesetz ergeben, sobald der Beschluss zum Antrag zu 1. ergeht. Zum Beispiel:

3. Die Bank nach Entscheidung zu 1. anzuweisen, den gem. 2. zurückbehaltenen Betrag an den Antragsteller auszuzahlen.

Viele Gerichte nehmen das mit auf, was eine Klarstellung bedeutet, die ggf. Probleme mit der Bank  verringert. In der Regel kann man sich aber einen dritten Antragspunkt sparen.

 

III. Das Herzstück: Begründung

 

1. Zum Hauptantrag

 

Die Begründung zum Hauptantrag enthält vier wesentliche Aussagen:

1. Das Konto (P-Konto) ist gepfändet
2. Der Lohn ist ebenfalls gepfändet
3. Aus 1. und 2. ergibt sich, dass eine (unechte) Doppelpfändung vorliegt
4. Der Antrag kann unbeziffert erfolgen

Hier sollten Sie den Sachverhalt der Doppelpfändung deutlich machen und belegen.  Dies kann etwa wie folgt geschehen (bitte beachten Sie, dass der Text an die konkreten Gegebenheiten angepasst werden muss):

Das Konto des Antragstellers wurde durch die/den Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse/Überweisungsbeschluss der/des o.g. Gläubiger/s gepfändet. Es wird als Pfändungsschutzkonto geführt.

Folgende Gläubiger haben mit Pfändungs- und Überweisungsbeschluss weiter das laufende Einkommen beim Arbeitgeber des Schuldners, der [Name, Anschrift] gepfändet:

1.
2.
3. […]

Die Pfändung/en wird/werden durch den Arbeitgeber des Schuldners nicht früher beendet, als der Anspruch der/des Gläubiger/s befriedigt oder das Arbeitsverhältnis beendet wird. Da der o.g. Pfändungs- und Überweisungsbeschluss auf den Lohn zugreift und die Kontopfändung zusätzlich betreibt, liegt eine Doppelpfändung insoweit vor, als das Einkommen auf dem Konto nochmals der Pfändung unterzogen wird. Da das eingehende Einkommen auch auf dem Konto geschützt ist und keine neue Pfändungsbasis eröffnet, enthält das bereits beim Arbeitgeber um den pfändbaren Anteil verkürzte Einkommen keine weiteren pfändbaren Anteile.

Die Gutschrift ist daher abweichend von § 850k Abs. 1, 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO in voller Höhe freizugeben.

Einer Bezifferung des freizugebenden Betrages bedarf es nicht; im Falle einer Doppelpfändung von Arbeitseinkommen und Gehaltskonto gem. § 850k Abs. 4 ZPO kann das gesamte Gehalt des Schuldners freigeben werden, das monatlich von einem bestimmten Arbeitgeber auf das Gehaltskonto überwiesen wird, da es durch die Beschränkung auf die Zahlung des benannten Arbeitgebers per se nur aus unpfändbaren Einkommenszahlungen bestehen kann (BGH, Beschl. v. 10.11.2011; VII ZB 64/10)


Der letzte Absatz erklärt, warum eine Bezifferung der Summe bei einer unechten Doppelpfändung (Lohn + Einkommen) nicht erforderlich ist: Der BGH hat es so entschieden, deshalb auch völlig unstrittig.

Achtung
Übernehmen Sie die Beispiele bitte nicht blind, sondern schauen Sie genau, welche Formulierung auf Ihren Fall zutrifft und wo Sie Anpassungen vornehmen müssen.

 

2. Zum Antrag auf vorläufige Einstellung

 

Die Begründung zum Antrag auf vorläufige Einstellung ist immer gleich:

Da zu besorgen ist, dass die Entscheidung erst nach Ablauf der vierwöchigen Sperrfrist (§ 835 Abs. 3 Satz 2 ZPO) ergehen kann und der Drittschuldner inzwischen an den Gläubiger auszahlen muss, ist die Vollstreckung in Höhe des voraussichtlichen Freibetrages einstweilen einzustellen.

 

IV. Glaubhaftmachung: Anlagen

 

Als Anlage sollten Sie bei der (unechten) Doppelpfändung  den letzten Einkommensnachweis und den korrespondierenden Kontoauszug (auf dem der Eingang der Summe zu sehen ist) beifügen. Sollten Sie einen Nachweis zur Hand haben, dass das betreffende Konto als P-Konto geführt wird, sollten Sie diesen ebenfalls beifügen. Es ist eine Entscheidungsvoraussetzung für diesen Antrag, dass das Konto als P-Konto geführt wird. Aber das Gericht fragt diesen Nachweis nicht immer nach, weil ohne P-Konto der Beschluss ohnehin keine Wirkung hätte.Ganz so schlimm ist es nicht, wenn etwas fehlen sollte oder das Gericht Bedarf an weiteren Nachweisen oder Darlegungen hat, denn es wird diese dann bei ihnen anfordern. Es verzögert aber das Antragsverfahren, wenn dies geschieht.

 

V. Zu guter Letzt: Besonderheiten

 

Einiges haben wir oben schon genannt. Es gibt noch zwei abweichende Grundfälle: Der Antrag innerhalb des Insolvenzverfahrens und der Antrag beim Finanzamt. Zusätzlich wollen wir noch auf den Fall eingehen, bei dem zwar eine Kontopfändung, aber keine Lohnpfändung vorliegt.

 

1. Antrag innerhalb der Insolvenz

 

Solange die Insolvenz dauert (d.h. bis zur Aufhebung der Insolvenz und dem Beginn der Wohlverhaltensphase) ist der Schutz des Kontos genauso geregelt, wie bei einer Pfändung. Es gibt in der Insolvenz keine Pfändungen mehr, aber die Wirkung und Mittel sind die selben. Das folgt aus § 36 InsO.

Der Antrag richtet sich in diesem Falle dagegen, dass unpfändbare Anteile des Einkommens von der Bank an den Insolvenzverwalter abgeführt werden. Inhaltlich weicht dieser Antrag nicht sehr vom normalen Antrag ab, allerdings ist der darstellende Teil, mit dem sonst die Kontopfändung dargelegt wird, hier nicht erforderlich, da sich die „kontopfändungsgleiche“ Situation quasi aus dem Gesetz ergibt.

Abweichend ist hier der Kopf des Antrages und die Begründung.

abweichender Kopf:

Amtsgericht Musterstadt
– Insolvenzgericht –
[…]

Insolvenz­verfahren (eröffnet am 14.01.16) über das Vermögen des Mischa Mustermann

Ihr Zeichen: [Insolvenzzeichen, z.B. 345 IK 12/15]

Antrag auf Pfändungsschutz nach § 850k Abs. 4 ZPO für das Konto

Bank: […]

Konto-Nr. bzw. IBAN: […]

 In der Insolvenzsache

             Mischa Mustermann, Mustermanstraße 1, 11111 Musterstadt

wird beantragt […]

abweichende Begründung:

Das Konto des Schuldners wird als P-Konto geführt. Seit Eröffnung der Insolvenz werden über den Freigabebetrag eingehende Beträge ohne Rücksicht auf § 850c ZPO einbehalten. Da vom Lohn des Schuldners aufgrund der Abtretungserklärung der pfändbare Teil bereits durch den Arbeitgeber des Schuldners – [Name, Anschrift] – an den Insolvenzverwalter abgeführt wird, geht nur noch unpfändbares Einkommen auf dem benannten Konto ein.

Der Rest (nicht nötige Bezifferung und vorläufige Einstellung) ist identisch mit dem obigen Beispiel. Im Fall der Insolvenz kann man den Antrag immer so stellen, wie bei einer Doppelpfändung; da der IV sich den pfändbaren Anteil des Einkommens beim Arbeitgeber holt, führt dieser nur noch den unpfändbaren Teil auf das Konto ab, so dass die Situation die selbe ist wie bei einer Doppelpfändung.

Achtung
Viele Schuldner führen das Konto in der Wohlverhaltensphase immer noch als P-Konto weiter. Mit Aufhebung der Insolvenz und Beginn der Wohlverhaltensphase ist das nicht mehr nötig, da das Konto dann wieder völlig frei ist (sofern dort nicht noch Pfändungen aus der Zeit vor Insolvenzeröffnung vorliegen). Deshalb sind solche Anträge auch nur während der eigentlichen Insolvenz (dauert in der Regel ca. 1 Jahr ab Eröffnung) nötig und möglich.

 

2. Pfändungen des Finanzamts

 

Beim Finanzamt ist lediglich darauf zu achten, dass es dort „Pfändungs- und Einziehungsverfügung“ heißt, statt sonst „Pfändungs- und Überweisungsbeschluss“. Niemand wird irgend etwas sagen, wenn Sie das falsch bezeichnen, aber wenn man es weiß, kann man es ja auch korrekt bezeichnen. Alles andere ist gleich, da der Pfändungsschutz wegen § 319 AO identisch erfolgt. Natürlich ist dieser Antrag beim Finanzamt zu stellen. Das alles gilt übrigens analog für den Fall, dass die Pfändung von einer anderen selbstvollstreckenden Körperschaft kommen sollte (zum Beispiel Hauptzollamt als Vollstreckungsstelle). Auch dann ist der Antrag direkt bei dieser Vollstreckungsbehörde zu stellen und auch dann heißt es „Pfändungs- und Einziehungsverfügung“. Lies hierzu auch unter Ziff. 3 in unserem ersten Teil des Artikels.

 

3. Es liegt nur eine Kontopfändung (also keine Lohnpfändung) vor – Bezifferter Antrag.

 

Wenn nur eine Kontopfändung vorliegt, müssen Sie den Antrag leider beziffern. Das hat den Nachteil, dass bei schwankendem Einkommen ggf. stets neue Anträge gestellt werden müssen. Ich erwähne diese Fallgestaltung nur, damit der Unterschied zur unechten Doppelpfändung klar wird. Die Begründung besteht hier aus folgenden Elementen:

1. Das Konto (P-Konto) ist gepfändet.
2. Das P-Konto gewährt die Pfändungsfreibeträge nach § 850c ZPO nicht.
3. Aus 1. und 2. ergibt sich, dass Erhöhung des P-Konto-Freibetrages gerechtfertigt ist.

Hier ein Beispiel (nur Kontopfändung, eingehendes Gehalt = 1.560 Euro, 1 Unterhaltspflicht, unpfändbar gem. § 850c ZPO: 1.519,02 Euro):

[…] wird beantragt,

  1. den unpfändbaren Anteil der laufenden Einkünfte gem. § 850k Abs. 4 ZPO in Höhe von 1.519,02 Euro auf dem Konto freizugeben, soweit es sich um Zahlungen der Arbeitgeberin des Antragstellers, der ABC AG, 11111 Musterstadt, Musterschleife 1 handelt

Da Sie den Hauptantrag nicht unbeziffert stellen können, muss in der Begründung natürlich die im Antrag erfolgte Bezifferung der Summe erläutert werden. Zum Beispiel:

Das Konto des Antragstellers wurde mit o.g. Pfändungs- und Überweisungsbeschluss gepfändet. Das Konto wird als P-Konto geführt. Aufgrund der durch den Antragsteller vorgelegten Bescheinigung gemäß § 850k Abs. 5 ZPO beträgt der Freibetrag des P-Kontos 1.478,04 Euro. Alle darüber hinausgehenden Einkommensanteile werden von der Bank einbehalten.

Auf dem Konto des Antragstellers geht ein monatliches Einkommen von 1.560,00 Euro ein. Er ist für ein Kind unterhaltspflichtig, weshalb der unpfändbare Anteil des Einkommens gemäß § 850c ZPO 1.519,02 Euro beträgt.

Da die Bank nur die Auszahlung des benannten Grundfreibetrages in Höhe von 1.478,04 Euro gewährt, werden von diesem Einkommen monatlich 81,96 Euro einbehalten. Der pfändbare Anteil des Einkommens beträgt gemäß § 850c ZPO hingegen nur 40,98 Euro.

Daraus ergibt sich, dass nach Abzug dieses pfändbaren Anteils der verbleibende Betrag in Höhe von 1.519,02 Euro abweichend von § 850k Abs. 1, 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO freizugeben ist.

Das o.g. Beispiel zeigt neben dem Umstand auch die bereits durch die einfache Bescheinigung vorgenommene Anpassung des Freibetrages auf. Wenn keine Unterhaltspflicht vorliegt oder geltend gemacht werden kann, entfällt dieser Teil natürlich. Die Begründung könnte dann etwa so aussehen:

Das Konto des Antragstellers wurde mit o.g. Pfändungs- und Überweisungsbeschluss gepfändet. Das Konto wird als P-Konto mit dem gesetzlich vorgesehen Freibetrag von 1.073,88 Euro geführt. Alle darüber hinausgehenden Einkommensanteile werden von der Bank einbehalten.

Auf dem Konto des Antragstellers geht ein monatliches Einkommen von 1.456,89 Euro ein. Da die Bank nur die Auszahlung des benannten Grundfreibetrages gewährt, werden von diesem Einkommen monatlich 383,01 Euro einbehalten. Der pfändbare Anteil des Einkommens beträgt gemäß § 850c ZPO hingegen nur 263,28 Euro.

Daraus ergibt sich, dass nach Abzug dieses pfändbaren Anteils der verbleibende Betrag in Höhe von 1.193,61 Euro auf dem Konto abweichend von § 850k Abs. 1, 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO freizugeben ist.

Der Antrag zur vorläufigen Einstellung und die dazugehörige Begründung entsprechen der obigen Darstellung (keine Abweichungen).

4. Lohnabtretung und Kontopfändung

 

Lohnabtretungen werden oft bei Abschluss eines Kreditvertrages durch den Kreditnehmer eingeräumt; dies macht es dem Gläubiger möglich, auf den pfändbaren Teil des Lohnes ohne Pfändung und ohne Titel zuzugreifen, indem er einfach diese Lohnabtretung beim Arbeitgeber des Schuldners vorlegt. Allerdings geht die Lohnabtretung nicht weiter als eine Pfändung und wirkt auch nur, wenn sie direkt beim aktuellen Arbeitgeber angezeigt wird.

Zur Klarstellung soll hier darauf hingeweisen werden, dass die selbe Situation der unechten Doppelpfändung auch dann eintritt, wenn neben die Kontopfändung eine solche Lohnabtretungsanzeige tritt, auch wenn dann der Begriff Doppelpfändung nicht mehr so recht treffend ist. Gemeinsam ist der Lohnpfändung und der Lohnabtretungsanzeige, dass sie gleichermaßen bewirken, dass der pfändbare Teil des Lohnes durch den Arbeitgeber abgeführt wird. Für den Freigabeantrag bzgl. des Kontos ist nicht erheblich, auf welche Weise bereits der pfändbare Lohnanteil abgeführt wurde.

Daraus ergibt sich, dass auch bei der Kombination Lohnabtretung und Kontopfändung der Antrag nach § 850k Abs. 4 ZPO gestellt werden kann. Im Prinzip ist dies übrigens die selbe Situation wie in der Insolvenz. Auch dort erhält der Insolvenzverwalter die pfändbaren Bezüge nicht aufgrund einer Pfändung, sondern der Abtretung der pfändbaren Bezüge (im Insolvenzantrag bei Verbraucherinsolvenzen räumt man diese in der Anlage 3 ein).

Da wir bei unseren Beispielen immer erst in der Begründung die Lohnpfändung ausgeführt haben, unterscheidet sich auch der Antrag im Falle der Lohnabtretung nur innerhalb des Begründungsteils, indem dort als Ursache für die „Doppelpfändung“ die Lohnabtretung (statt die Lohnpfändung) benannt wird. Dies betrifft daher auch nur den Teil in der Begründung, in dem sonst die Lohnpfändung dargelegt wird. Mehr ist es nicht:

abweichender Teil der Begründung:

Das Konto des Schuldners wird als P-Konto geführt. Es wurde durch den o.g. Pfändungs- und Überweisungsbeschluss der ABC GmbH gepfändet.

Seit dem [Datum] liegt beim Arbeitgeber des Schuldners weiter eine Lohnabtretung vor, die durch die Gläubigerin DEF AG offengelegt wurde.

Vom Lohn wird aufgrund dieser Abtretungserklärung der pfändbare Teil bereits durch den Arbeitgeber des Schuldners an den Abtretungsgläubiger abgeführt. Es geht daher nur noch unpfändbares Einkommen auf dem benannten Konto ein.

Der Lohn darf auf dem Konto nicht nochmals der Pfändung unterzogen werden, weshalb die Gutschrift abweichend von § 850k Abs. 1, 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO in voller Höhe freizugeben ist.

Alles andere (es kommt  noch der Absatz mit der unbezifferten Freigabe und die Begründung zum Antrag auf vorläufige Einstellung) kann wie oben beschrieben ausgeführt werden, da gibt es keinen Unterschied.

Falls neben einer Lohnabtretungsanzeige auch noch zusätzlich Lohnpfändungen vorliegen, muss man es eben noch etwas erweitern, indem man auch diese in der Begründung aufführt.

VI. Zusammenfassung: Beispiel

 

Das nachfolgende Beispiel fasst die einzelnen Bausteine des Antrages zusammen. In diesem Beispiel liegen zwei  Pfändungen auf dem Konto vor (der Gläubiger zu A. und B.), zusätzlich liegt eine Lohnpfändung des Gläubigers zu B. vor.

Vorab per Fax: 0111/111111

Mischa Mustermann, Mustermannstraße 1, 11111 Musterstadt

An das Amtsgericht Musterstadt
– Vollstreckungsgericht –
11111 Musterstadt
Musterallee 1

Betrifft: Vollstreckungssache Mischa Mustermann

Ihr Zeichen: M 4141/15 und andere

Pfändungsschutz nach § 850k Abs. 4 ZPO für das Konto

Bank: Mustersparkasse Musterland, 22222 Geldern, Am Kurs 3, Fax: 222/22222, Telefon 222/22223

Konto-Nr.: 2342002917

In der Vollstreckungssache

A. Allgemeine Deutsche Sowieso, Am Tal 8, 60486 Frankfurt/M., Proz.-Bev. Rechtsanwälte Ritter und Knapp, Burgenstraße 5b, 60486 Frankfurt/M, Pfändungs- und Überweisungsbeschluss v. 12.10.15 M 4141/15

B. ABC GmbH, Turnerweg 11, 09111 Chemnitz Pfändungs- und Überweisungsbeschluss v. 04.04.16 M 123/16

gegen

Mischa Mustermann, Mustermannstraße 1, 11111 Musterstadt

wird beantragt

  1. Den unpfändbaren Anteil der laufenden Einkünfte gem. § 850k Abs. 4 ZPO freizugeben und die Pfändung des Kontos insoweit aufzuheben, soweit es sich um Zahlungen der Arbeitgeberin des Schuldners, der YXZ GmbH & Co. KG, 11111 Musterstadt, Mustereck 234, handelt
  1. Die Vollstreckung bis zur Entscheidung des Gerichts einstweilig einzustellen

Begründung zu 1.

Das Konto des Schuldners wurde durch die Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse der o.g. Gläubiger zu A. und B. gepfändet. Das Konto wird als Pfändungsschutzkonto geführt.

Die Gläubigerin zu B. hat mit o.g. Pfändungs- und Überweisungsbeschluss weiter das laufende Einkommen beim Arbeitgeber des Schuldners, der YXZ GmbH & Co. KG, 11111 Musterstadt, Mustereck 234, gepfändet. Die Pfändung wird durch den Arbeitgeber des Schuldners nicht früher beendet, als der Anspruch des Gläubigers befriedigt oder das Arbeitsverhältnis beendet wird.

Da die o.g. Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse der Gläubiger zu A. und B. auf das Konto zugreifen und die Lohnpfändung zusätzlich durch die Gläubigerin zu B. betrieben wird, liegt eine Doppelpfändung insoweit vor, als das Einkommen auf dem Konto nochmals der Pfändung unterzogen wird. Da das Einkommen auch noch beim Eingang auf dem Konto geschützt ist und keine neue Pfändungsbasis eröffnet, enthält das bereits beim Arbeitgeber um den pfändbaren Anteil verkürzte Einkommen keine weiteren pfändbaren Anteile.

Die Gutschrift ist daher abweichend von § 850k Abs. 1, 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO in voller Höhe freizugeben.

Einer Bezifferung des freizugebenden Betrages bedarf es nicht; im Falle einer Doppelpfändung von Arbeitseinkommen und Gehaltskonto gem. § 850k Abs. 4 ZPO kann das gesamte Gehalt des Schuldners freigeben werden, das monatlich von einem bestimmten Arbeitgeber auf das Gehaltskonto überwiesen wird, da es durch die Beschränkung auf die Zahlung des benannten Arbeitgebers per se nur aus unpfändbaren Einkommenszahlungen bestehen kann (BGH, Beschl. v. 10.11.2011; VII ZB 64/10).

Begründung zu 2.

Da zu besorgen ist, dass die Entscheidung erst nach Ablauf der vierwöchigen Sperrfrist (§ 835 Abs. 3 Satz 2 ZPO) ergehen kann und der Drittschuldner inzwischen an den Gläubiger auszahlen muss, ist die Vollstreckung in Höhe des voraussichtlichen Freibetrages einstweilen einzustellen.

Bitte unterrichten Sie auch das Kreditinstitut vorab telefonisch bzw. per Fax.

Mit freundlichen Grüßen

 

Mischa Mustermann

ANLAGEN:
Lohnschein vom 12.04.16
Kontoauszug vom 15.04.16
P-Konto Nachweis der Sparkasse

 

Falls Sie die Anträge doch nicht selber stellen wollen, können Sie sich gern an uns wenden.

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40 Comments

  1. Hallo ich habe eine Kontopfändung. Auf das Konto geht der Lohn von meinem Freund und mir ein. Kann ich auch die Erhöhung des Freibetrag beantragen.

    ANTWORT: naja, beantragen können Sie natürlich alles. Aber ich will Ihnen nicht verhehlen, das es sehr schwer wird, den fremden Einkommensanteil freizubekommen. Die Grundlage für die Antragstellung nach § 850k Abs. 4 ZPO kann nur Ihr eigenes Einkommen sein. Einen solchen Antrag könnte also höchstens Ihr Freund stellen, wenn er aufgrund der Pfändung nun nicht mehr an das Geld kommt. Das Problem ist, dass er für sich keinen Kontoschutzantrag stellen kann, da es sich ja nicht um sein Konto handelt. Außerdem ist das Geld auf Ihrem Konto Ihnen rechtlich zugeordnet, Ihr Freund hat also lediglich einen (allgemeinen) Herausgabeanspruch gegenüber Ihnen (nicht aber gegenüber Ihrer Bank). Am ehesten könnten Sie zu dem Geld noch kommen, wenn Sie dafür sorgen, dass das Einkommen Ihres Freundes zumindest in Zukunft nicht mehr auf dem Konto eingeht. In dem Falle könnten Sie mit Ihrem P-Konto gegebenenfalls die monatlich entstehenden Differenzbeträge zwischen Ihrer Freigrenze und Ihrem tatsächlich eingehenden Einkommen in den nachfolgenden Monaten Stück für Stück ausgezahlt bekommen. Ich weiß natürlich nicht, um welche Beträge es geht. Vielleicht können Sie auch durch Ausschöpfung des P-Konto Schutzes (Bescheinigung für bestehende Unterhaltspflichten usw.) Ihren eigenen Freibetrag so erhöhen, dass schon große Teile oder gar alles noch geschützt werden kann. Dieser statische Schutz wirkt der Höhe nach, da ist es dann auch egal, von wem das Geld stammt. Wenn es dort noch Möglichkeiten gibt, sollten Sie diese zunächst vollständig nutzen.

  2. Guten Abend. Ich denke mal soweit alles verstanden zu haben. Lediglich die Problematik wenn es nur eine Kontopfänung ist und das Nettoeinkommen aufgrund von Dreischicht und Wochenendarbeit jeden Monat unterschiedlich hoch ist, ist für mich nicht ganz klar. Ich kann ja nicht jeden Monat einen neue Antrag stellen. Gibt es da sie Möglichkeit den Antrag unbehindert zu stellen?

    ANTWORT: wenn noch keine Pfändung des Lohns vorliegt, also nur das Konto gepfändet wird, müssen Sie einen bezifferten Antrag stellen. Das ist zugegebenermaßen nicht sehr komfortabel, gerade dann, wenn das Einkommen stets schwankt. Aber eine andere Lösung gibt es hierfür kaum. Es wäre möglich noch einen speziellen Antrag zu stellen, der die Unpfändbarkeit für eine gewisse Dauer feststellt. Das ist aber wieder ein Bereich, wo man sehr vom Gericht abhängig ist und wo die genaue Vorhersage des Ausgangs eben nicht besteht. Bei dem Antrag nach § 850k Abs. 4 ZPO ist es dem Gericht rechtlich gar nicht möglich, anders zu entscheiden als in der Weise, dass am Ende der unpfändbare Anteil des Einkommens gemäß § 850c ZPO auf dem Konto freigegeben wird.

  3. Hallo, ich hoffe, dass diese Seite noch aktiv ist. Es ist alles super gut erklärt. Vielen Dank! Bezgl. des P-Kontos habe ich noch ein paar Fragen.[…]

    ANTWORT: Ich beantworte Ihre Fragen gern, aber sie passen nicht zu dem Artikel auf dieser Seite. Ich habe sie deshalb verschoben: Zu Ihrer Frage

  4. Otto Normalverbraucher

    Ich konnte meine 6 Pfändungen (je drei auf Konto und Lohn, alle vom Finanzamt) mit einem Schlag so „einstellen“ das der volle unpfändbare Teil meines Lohns dauerhaft zur Verfügung steht.

    Wirklich tolle und klar strukturierte Beiträge!

    ANTWORT: Vielen Dank! Das hört man gern.

  5. Hallo, mein Partner hat vergangene Woche den Antrag gestattet bekommen, die Bank lässt ihn jedoch nun nicht auf den ganzen Betrag, der sich bis zur Gestattung des Antrags angehäuft hat zugreifen, obwohl sie diesen auch nicht abgeführt haben. Steht ihm dieser gesamte Betrag zu oder ist er verloren und wird auch noch im Nachhinein an die Gläubiger abgeführt? Vielen Dank im Voraus.

    ANTWORT: Das kann ich so nicht beantworten. Wenn Sie den Antrag so gestellt haben, dass die zurückbehaltenen Beträge bis zur Entscheidung des Gerichts nicht abgeführt werden dürfen, dann werden diese Beträge dann vom Gerichtsbeschluss umfasst und sind auch auszuzahlen (jedenfalls in der Höhe, die durch den Beschluss nachträglich als unpfändbar ausgewiesen wird). Das ist letztlich der Sinn eines Antrags auf vorläufige Einstellung der Vollstreckung, der eben bei einem solchen Antrag immer mit gestellt werden muss bzw. sollte. Da ich nicht weiß, aus welchem Grund die Bank jetzt Gelder zurückbehält, kann ich dazu leider aber nicht mehr sagen.

  6. Aus meiner Sicht besteht ja eine Differenz zwischen dem pauschalen Grundfreibetrag beim P-Konto (derzeit: 1.073,88 € und der Lohnpfändungstabelle, weil die Lohnpfändungstabelle einen einkommensabhängigen Zuschlag als Arbeitsanreiz enthält. Somit ist Kontoguthaben im Einzelfall nicht in gleicher Weise geschützt, wie die Lohnforderung gegen den Arbeitgeber. Daraus folgt die Möglichkeit der individuellen Kontofreigabe durch das Gericht. Besteht aber auch die Möglichkeit der Kontofreigabe bei dem Bezug von Altersrente, wenn der Schuldner also nicht arbeitet, und der Zuschlag als Arbeitsanreiz dem Schuldner meiner Meinung nach nicht zusteht, obwohl ja Rente an der Quelle ja wie Arbeitseinkommen gepfändet wird. Kann auch hier der Rentenbezug in Höhe der Lohnpfändungstabelle, hier über dem Grundfreibetrag hinaus, auf dem P-Konto durch das Gericht freigegeben werden.

    ANTWORT: Ja, das gilt für jede Art Einkommen. Der Gesetzgeber unterscheidet das nicht. Daher fallen auch Lohnersatzleistungen darunter wie Rente oder Krankengeld. Letztlich geht es zwar auch um eine Art Anreiz, aber das ist nur ein Aspekt. Es geht vor allem darum, dass sich Personen mit ihrem eigenen Einkommen selbst unterhalten können. Man hätte das auch anders machen können, aber so „Kapitalismus pur“ ist es zum Glück nicht. Wichtig ist aber, dass es sich um Einkommen im Sinne des § 850 ZPO handeln muss (§ 850 ZPO spricht von Arbeitseinkommen, bezieht aber Versorgungsbezüge ein, über § 850i ZPO gilt das aber letztlich auch für Einkommen von Selbständigen). Das ist zum Beispiel nicht der Fall bei Erlösen aus Vermögen, zum Beispiel Einnahmen aus Mieten. Das Gesetz beurteilt die Frage, was unter § 850c ZPO fällt also recht schematisch danach, was als Einkommen zu bewerten ist und was nicht.

  7. Guten Tag, ich habe den Fall einer Doppelpfändung und meine familiäre Situation wird sich im August 2017 ändern (neuverheirat). 1. Gläubiger ist das Finanzamt, welches durch den Pfändungs- und Einziehungsbeschluss beim Arbeitgeber (ö.D.) und durch gleichzeitige Kontopfändung agiert. 2. Gläubiger ist ein Inkassounternehmen welches durch einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss vom AG eine Kontopfändung beantragt hat (hier jedoch nachrangig steht wegen des FA!) Mein Konto ist ein P-Konto und ich erhalte auf dieses immer nur die „freien“ 1.073,88 €. Der Rest geht an das FA. Bisher war ich alleinstehend und so auch nach der Pfändungstabelle befändet worden, im August werde ich heiraten und meine Ehefrau wird kein eigenes Einkommen haben; gilt da jetzt die Tabelle mit einem Unterhaltsberechtigten auch und an wen muss ich den Antrag stellen: AG oder FA? Herzlichen Dank für Ihre Antwort im Voraus

    ANTWORT: Wenn Sie verheiratet sind, haben Sie eine Unterhaltspflicht. Damit können Sie für das Konto eine Bescheinigung erhalten, mit der der dortige Freibetrag erhöht wird (aktuell 1.470 Euro, ab Juli 1.133 Euro). Der Arbeitgeber hingegen wird von sich aus beachten, was pfändbar ist; Sie müssen hier darauf achten, dass Ihr Arbeitgeber weiß, dass bzw. ab wann er eine Unterhaltspflicht berücksichtigen muss. Sollte der Freibetrag auf dem Konto dennoch nicht genügen, müssten Sie den (unbezifferten) Antrag stellen, den wir hier in dem Artikel besprochen haben und zwar beim Finanzamt selbst, wie auch beim Vollstreckungsgericht. Denn Sie haben hier zwei Kontopfändungen, die von zwei verschiedenen „Vollstreckungsstellen“ ergangen sind (Finanzamt und Vollstreckungsgericht). Sie können das gern auch noch einmal in Teil 1 des Artkels nachlesen. Wenn Sie nur einen Antrag beim Finanzamt stellen würden, würde das nur die Kontopfändung des Finanzamts suspendieren. Den Antrag bzgl. des Kontos sollten Sie aber schon jetzt stellen, denn es liegt ja bereits eine Doppelpfändung vor. Wenn Sie also jetzt schon Geld auf dem Konto verlieren, sollten Sie nicht erst die Heirat abwarten.

  8. Ich habe zwei Konten und führe (laut Gesetzeslage) nur eines als P-Konto. Nun wurde das andere Konto gepfändet und ich kann meinen Lebensunterhalt nicht bestreiten. Ich verdiene insgesamt nur 950 € und dieses Geld soll nun in jedem Fall gepfändet werden. Was kann ich jetzt tun? Ich habe nach § 850 K Abs. 8 ZPO einen Antrag auf Freigabe gestellt, dieser wurde aufgrund der Führung der zwei Konten abgelehnt. Ich verstehe, dass ich nur ein Konto als P-Konto führen darf aber warum ist eine einmalige Freigabe des anderen Kontos nicht möglich?

    ANTWORT:
    Wahrscheinlich meinen Sie einen Antrag nach § 850k Abs. 4 ZPO. Der setzt aber voraus, dass es um ein P-Konto geht. In Ihrem Fall an das Geld auf dem anderen Konto zu kommen ist schwierig. Man könnte versuchen, das andere Konto in der Rückwirkungsfrist noch zum P-Konto zu machen; dazu müsste das gegenwärtige Konto aber erst mal den P-Konto-Schutz verlieren. Möglich ist das aber, da die Bank verpflichtet ist, den P-konto-Schutz auf Verlangen zum jeweiligen Ende des Monats „auszuschalten“ (lies dazu hier), womit dann die Option für das andere Konto offen wäre. Wenn das nicht geht, wird es sehr schwer, weil der Gesetzgeber beinahe alle Anträge auf Freigabe bzgl. eines Kontos daran geknüpft hat, dass es sich um ein P-Konto handelt. Aber wenn überhaupt, wird man das Geld dann nur noch bekommen, wenn man einen Beschluss hierzu erwirkt.

  9. Anastasios L.

    Guten Tag,

    ich habe eine Doppelpfändung und habe einen Antrag nach § 850k Abs. 4 ZPO an das zuständige Amtsgericht gestellt. Das Amtsgericht hat mir vor fast einen Monat den Beschluss für die freigabe meines Freibetrags geschickt. Von der Bank habe ich aber noch nichts erhalten, und zur verfügung steht mir immer noch nur der Sockelfreibetrag von 1073€. Wie muss ich jetzt vorgehen? Im Voraus vielen Dank Tasos

    ANTWORT: der Freigabebeschluss ändert den gesetzlichen Sockelbetrag ab. Dieser Beschluss bindet selbstverständlich die Bank sofort, wenn sie diesen Beschluss erhalten hat. Dies geschieht automatisch durch das Gericht nach Erlass des Beschlusses. Wenn die Bank den Beschluss nicht beachtet, ist das kein Pfändungsproblem mehr, sondern betrifft das Rechtsverhältnis zwischen Ihnen und der Bank. D. h., Sie müssen jetzt sehen, dass Sie der Bank „Beine machen“. Leider ist es nicht selten so, dass Banken Beschlüsse von Gerichten nicht hinreichend Folge leisten. In der Regel liegt das Problem darin, dass die Pfändungsstellen der Banken unvorstellbar unprofessionell besetzt sind, ich selbst kann dazu (wie Sie sich denken können) so manches traurige Lied singen. Ich empfehle Ihnen, die Bank aufzufordern, den Beschluss zu beachten bzw. mitzuteilen, warum dieser Beschluss nicht beachtet wird. Bitte notieren Sie sich auch Namen von Personen der Bank, die Ihnen entsprechende Information geben. Sollte alles nichts fruchten, müsste man aber gegen die Bank klagen.

  10. Ich war gerade mit so einem Antrag ohne Lohnpfändung, Abrechnung inkl. So. und Nachtzuschlägen und Kto.Auszügen zu einem „meiner“ Rechtspfleger und der war irgendwie garnicht begeistert. Riet mir das doch mit den Gläubigern auszumachen weil ich sonst jeden Monat dort auflaufen muss, konnte an der Abrechnung nicht so recht entnehmen wie was berechnet wird, hätte anderes zu tun, gab mir den Antrag zurück und konnte sich ein „andere studieren dafür“ auch nicht verkneifen. Jetzt bin ich genauso schlau wie vorher und warte bis irgendwann eine Abschrift von irgendwas in meinem Briefkasten liegt.

    ANTWORT: Aufgrund Ihrer Schilderung gehe ich davon aus, dass eine Lohnpfändung noch nicht vorliegt, Sie also einen bezifferten Freistellungsantrag für das Konto stellen mussten. Es ist natürlich so, dass man dann vorrechnen muss, wie hoch der unpfändbare Betrag ist, da kommt es dann auch auf Fragen an, die normalerweise durch den Arbeitgeber geklärt werden (also Freistellung von Sonntags- und Nachzuschlägen usw.). Diese Berechnung ist ohne entsprechende Programme nicht so einfach möglich. Da Sie den Antrag offenbar jetzt schon abgegeben haben, empfehle ich Ihnen ebenfalls, zunächst die Rückmeldung des Gerichts abzuwarten. Es ist ja nicht auszuschließen, dass dem Antrag nicht widersprochen wird und er ohne Probleme durchgeht. Andernfalls wäre es besser, den Antrag selbst zu fertigen und bei Gericht einzureichen. Sollten Sie eine Lohnpfändung hinzu erhalten, ist das Problem relativ leicht lösbar, da Sie dann den Antrag unbeziffert stellen können.

    Zum Rat des Rechtspflegers kann ich nur sagen: Die Pfändungsschutzanträge sind ja meist deshalb erforderlich, weil eine Zahlungsregelung mit den Gläubigern nicht besteht oder gefunden werden kann. Aber natürlich löst sich so das Problem zumindest für den Rechtspfleger.

  11. Hallo. Ich habe de Antrag wie oben gestellt. Das Finanzamt hat mich darauf hin angerufen und mir mitgeteilt das die mit den Antrag nichts anfangen können und die bis jetzt noch nie so einen Erhalten hat. Die sind der Meinung das es reichen müsse wenn ich mit einer Kopie der Drittschuldnererklärung meines Arbeitgebers, zur Bank gehe da aus der ja hervor geht das mein Gehalt schon gepfändet wird.
    Am Telefon hat mir meine Bank gesagt das die da schon ein Beschluss brauchen.
    Das Finanzamt sagt, das die eh nicht verstehen warum es zwischen Pfändungstabelle und P Konto Unterschiede gibt. Die verstehen die Problematik schon mal gar nicht. Was muss ich denn jetzt machen?

    ANTWORT: Ich kann leider auch nicht sagen, dass derartige Aussagen mir völlig fremd sind, denn nach wie vor sind Finanzämter und Banken sehr häufig in diesen Dingen personell schlecht besetzt und wenden das Recht oft fehlerhaft an. Ich frage mich, ob man dann nicht wenigstens verlangen kann, dass die betreffende Bank oder das Finanzamt mal ein Buch aufschlägt, um sich zu informieren. So exotisch ist der Antrag nach § 850k Abs. 4 ZPO nicht, dass man danach lange suchen müsste. Mein Rat ist: bestehen Sie auf einer schriftlichen Entscheidung. Man kann gegen eine solche Entscheidung dann ganz einfach vorgehen, da sich hieraus schon ergeben sollte, dass dort die rechtliche Kenntnis nicht vorhanden ist. Das, was Ihnen das Finanzamt vorschlägt, ist ein völlig untaugliches Mittel.

  12. Hallo, super ausführlich geschrieben trotzdem ist noch eine Frage offen:
    Nehmen wir an es liegt eine Kontopfändung vor. Auf dieses Konto geht nur ein Nettogehalt von 1600€ ein. Davon sind aber 200€ Nachtzuschlag (ist ja nicht pfändbar richtig!?) ergo bleiben 1400€. Laut Pfändungstabelle sind davon nur 228€ pfändbar. Wie beziffert man jetzt den Antrag mit Hinblick auf diese Nachtzuschläge. Ich hoffe auf eine Antwort und verbleibe

    Mit freundlichen Grüßen

    ANTWORT: Das kann ich mit diesen Daten so nicht entscheiden, denn durch die Rechtsprechung des BAG hat sich die Berechnung nicht unwesentlich verkompliziert. Im Prinzip geht es – wenn unpfändbare Bestandteile im Brutto auftauchen – eigentlich nicht mehr ohne Lohnberechnungsprogramm. In der Regel dreht es sich hier um die Frage, ob auf die abzuziehenden Bestandteile Steueranteile entfallen oder nicht. Wenn ja, sind die herauszurechnen. Das ist leider zu kompliziert, um es in ein paar Sätzen darlegen zu können. Wenn Sie einen bezifferten Antrag stellen wollen, dann berechnen Sie es am besten aus dem Nettoeinkommen abzgl. den Anteilen für die Nachtzuschläge. Falls der Gläubiger oder das Gericht das so nicht akzeptiert, können Sie es ja immer noch anpassen, falls das Gericht es nicht schon von selbst tut. Aber es gibt durchasus die Chance, dass man es so übernimmt.

  13. Toll!!! Tausend Dank!!!!

  14. Ok, vielen Dank! und ab wann hat der Ehepartner dann genügend Einkommen, dass man nicht mehr ´unterhaltspflichtig´ ist? Ich habe keine Tabelle gefunden, in der dies drinstand. Gilt diese Spalte `Unterhaltspflicht` also nur, wenn der andere gar kein eigenes Einkommen hat?

    ANTWORT:
    Eine starre Liste gibt es hierfür nicht. Das Gericht muss, wenn der Gläubiger einen entsprechenden Antrag stellt, die Sachlage konkret prüfen und wird dann eine Entscheidung im Einzelfall treffen. So ist § 850c Abs. 4 ZPO jedenfalls grundsätzlich konzipiert. Allerdings gibt es zwischenzeitig genügend höchstrichterliche Entscheidungen, die einen Rahmen für die Berechnung vorgegeben haben. Als Daumenregel gilt danach, dass die Berücksichtigung des Unterhaltsberechtigten wegfallen kann, wenn dessen Einkünfte etwa den ALG-II-Satz zzgl. 20 % beträgt. Das kann in vielen Fällen schon bei 500 € Nettoeinkommen der Fall sein. Aber hier gibt es natürlich Raum für die Einzelfalldarstellung, hier kann man durchaus vortragen, dass diese Beträge im konkreten Fall zu niedrig sind. Das entscheidet das Gericht in Abwägung der widerstreitenden Interessen; der BGH hat bestätigt, dass sich jeder Schematismus bei der Festlegung dieser Summen verbietet. Sofern sich ergibt, dass zwar eigenes Einkommen vorliegt, dieses aber nicht ausreicht, um die unterhaltsberechtigte Person vollständig weg zu rechnen, würde das Gericht den Pfändungsfreibetrag nach billigem Ermessen herabsetzen, in diesem Fall eben nicht um eine gesamte Stufe. Das ganze ist deshalb so kompliziert, weil es eben nicht auf Tabellen beruht, aus denen man sofort ersehen könnte, wie die Sachlage ist. D. h. hier spielt eine sehr große Rolle, wie das Gericht den konkreten Fall behandelt und mit welcher Intensität der Gläubiger einen solchen Antrag verfolgt.

  15. Das ist wirklich so super nett, dass Sie das alles so geschrieben haben. Ich habe das so gemacht für meine Eltern. Diese sind Gesamtgläubiger, allerdings wurde nur das Konto meiner Mutter gepfändet. Ich habe den bezifferten Antrag gestellt. Allerdings habe ich bei der Tabelle den Betrag genommen, der bei Unterhaltspflichtig für 1 Person steht (für meinen Vater). Die Gegenseite hat jetzt moniert, dass meine Mutter nicht unterhaltspflichtig sei für meinen Vater, da dieser ebenfalls Rente erhalte (in Höhe von 850€). Das Gericht fragt jetzt nach der Höhe seiner Einnahmen mit Belegen. Ich hatte es so verstanden, dass es für die Frage nach dem pfändungsfreien Betrages eines Kontos unerheblich sei, wie hoch die Einnahmen der anderen Person sind. Habe ich mich geirrt?
    Vielen Dank!

    ANTWORT: Grundsätzlich haben Sie schon recht damit, dass für den Kontoschutz das Einkommen einer unterhaltsberechtigten Person zunächst einmal nicht relevant ist. Aber Sie dürfen eines nicht vergessen: Alle Freibeträge und Freigabeanträge greifen (im Normalfall) letztlich immer auf die Pfändungstabelle nach § 850c ZPO zurück. Der hier vorgestellte Antrag dient dazu, die auf dem Konto typischerweise eintretende Differenz zur Pfändungstabelle auszuschalten. Denn das P-Konto gewährt eben nicht in jedem Fall den Pfändungsfreibetrag gemäß Tabelle.

    Nun zu Ihrem Fall: Die Pfändungstabelle gewährt einen höheren Freibetrag, wenn es Unterhaltspflichten gibt. Dazu zählen natürlich auch Eheleute, da diese sich gegenseitig Unterhalt schulden. Allerdings ist es dem pfändenden Gläubiger möglich, die Unterhaltspflicht herausrechnen zu lassen (ganz oder teilweise), wenn die unterhaltsberechtigte Person ein eigenes Einkommen hat. Dies geht generell nur dann, wenn der Gläubiger einen diesbezüglichen Antrag stellt. Das ergibt sich aus § 850c Abs. 4 ZPO. Würde bei Ihnen eine Doppelpfändung im oben genannten Sinne vorliegen, hätten Sie natürlich einen unbezifferten Antrag gestellt. Für diesen Antrag wäre es völlig unerheblich gewesen, ob der Ehepartner ein eigenes Einkommen hat oder nicht, da der Antrag nach § 850c Abs. 4 ZPO in diesem Falle vom Gläubiger bezüglich der Lohnpfändung gestellt hätte werden müssen. Da Sie aber hier nur eine Pfändung (nämlich auf dem Konto) haben, stellt sich das Problem allein hier. Und deshalb ist der Antrag des Gläubigers, das Einkommen des Ehepartners zu berücksichtigen, richtigerweise in diesem Verfahren gestellt worden. Das muss das Gericht folglich prüfen, wozu wiederum die Kenntnis der Einkommenssituation der unterhaltsberechtigten Person erforderlich ist.

    Sollte dem Antrag des Gläubigers ganz oder teilweise stattgegeben werden heißt das für Ihren Antrag, dass dieser teilweise abgewiesen wird. Der Antrag macht gleichwohl einen Sinn, da auch bei Wegrechnung einer Unterhaltspflicht des P-Konto den Pfändungsfreibetrag gemäß Tabelle nicht vollständig gewähren würde.

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