Fidorbank kündigt P-Konten

Wenn die Bank Kunden im Regen stehen lässt

 September 2019   Über die zum Teil bedenkliche Praxis einzelner Banken im Zusammenhang mit P-Konten haben wir schon mehrfach berichtet. Erinnert sei hierbei an die kundenunfreundliche Praxis der Dresdner Volksbank, die sich reihenweise von Kunden mit P-Konten getrennt hatte („Schalterhygiene“).

Im Rahmen unserer Artikelreihe zum P-Konto, insbesondere mit unserem Hauptartikel P-Konto: Fragen und Antworten aus der Praxis erhalten wir stets erneut Berichte, aus denen sich ergibt, dass Banken ohne einen nachvollziehbaren Grund Kündigungen aussprechen oder einfach die gesetzlichen Vorgaben nicht hinreichend berücksichtigen.

Die Fidorbank war lange Zeit dafür bekannt, Konten auch in schwierigen Situationen einzuräumen. Dies machte es gerade Personen, die über kein Konto verfügten, möglich, dort ihre Eingänge zu verwalten. Neuerdings erhalten wir aber verstärkt Mitteilungen, die deutlich machen, dass die Fidorbank ihre Praxis radikal ins Gegenteil verkehrt hat. Inzwischen werden offensichtlich P-Konten ohne weiteres gekündigt, es genügt auch schon die Mitteilung der Insolvenzeröffnung über das Vermögen eines Kunden.

Hier ein Beispiel einer Kündigung, die ein Mandant einige Tage nach der Insolvenzeröffnung erhielt:

Sehr geehrter Herr […],

am heutigen Tage wurde uns bekannt, dass über Ihr Vermögen das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Wir müssen aus diesem Grunde die Geschäftsbeziehung beenden.

Hiermit kündigen wir Ihnen die Geschäftsverbindung ordentlich unter Einhaltung der Kündigungsfrist zum […] 2019.

Bitte interpretieren Sie diese geschäftspolitische Entscheidung unseres Vorstands nicht als Zeichen mangelnder Wertschätzung, sondern als Ausfluss einer notwendigen wirtschaftlichen Erwägung.

Bitte setzen Sie sich umgehend mit dem für Sie tätigen Insolvenzverwalter ins Einvernehmen, wie der Umzug Ihres Kontos erledigt werden kann. In Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter sehen wir der Mitteilung entgegen, auf welches Konto das Abschlussguthaben überwiesen werden soll.

Bitte beachten Sie, dass Ihnen ab dem Kündigungstermin das Konto nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Fidor Bank

Um es ganz klar zu sagen: Diese Mitteilung ist eine Ungeheuerlichkeit. Selbstverständlich ist die Eröffnung der Insolvenz, die auf das Konto lediglich wie eine Pfändung wirkt, kein nachvollziehbarer Grund für eine Kündigung des Kontos. Der Zweck des P-Kontos ist es gerade, die Auszahlungen im Falle einer Pfändung oder einer Insolvenzeröffnung so zu regeln, dass für die Bank und den Kunden das Verfahren relativ einfach gehandhabt werden kann. Die Schutzmöglichkeiten des P-Kontos sind gesetzlich geregelt und verpflichten die Banken zur Ausführung. Die von der Bank hier vorgespielte Notwendigkeit einer Kündigung („Wir müssen aus diesem Grunde die Geschäftsbeziehung beenden…”) existiert nicht nur nicht, die Bank  verstößt mit dieser Praxis auch gegen die Selbstverpflichtung, die Kündigungen ohne hinreichenden Grund ausschließen soll. Eine andere Erklärung gibt es nicht: Die Fidorbank will sich von unprofitablen Kunden trennen und die Ausführung der gesetzlichen Vorgaben gerne anderen Banken, also ihrer Konkurrenz überlassen. Das ist hier gemeint, wenn von „geschäftspolitischer Entscheidung unseres Vorstands“ die Rede ist.

Welche Möglichkeit haben Betroffene?

Seit 2016 gibt es die Möglichkeit eines Basiskontos. Mit Kündigung der Bank kann sofort bei derselben Bank ein Basiskonto beantragt werden (das die Bank einrichten muss). Die Vorgehensweise haben wir in unserem Artikel Basiskonto: Wie man ein Basiskonto bekommt und wie es funktioniert genauer beschrieben. Empfehlenswert ist es, dieses Basiskonto bei der selben Bank einzurichten, die zuvor gekündigt hat. Zum einen erspart man sich dann die Umstellung auf eine andere Bank, zum anderen erfährt die kündigende Bank damit sehr eindringlich, wie unsinnig die Kündigung des Kontos war. Der Unterschied zum „normalen” P-Konto besteht nämlich allein darin, dass das Basiskonto von der Bank nicht mehr gekündigt werden kann.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, bei der Ombudsstelle der Bank eine Beschwerde einzulegen. Eine solche Beschwerde ist bei einer Kündigung ohne hinreichenden Grund möglich, da diese der Selbstverpflichtung der Banken aus den neunziger Jahren widerspricht. Man muss allerdings dazu wissen, dass diese Selbstverpflichtung noch nie das Papier wert war, auf dem sie gedruckt wurde. Banken halten sich daran nicht oder nur soweit sie es selbst wollen; die Ombudsmann-Sprüche der Banken sind völlig unverbindlich. Die Praxis der letzten Jahre hat gezeigt, dass viele Banken diese Beschlüsse einfach nicht beachten. Ein Rechtsmittel dagegen gibt es nicht, hinzu kommt, dass die Arbeitsweise der Ombudsstelle häufig unnachvollziehbar ist und die Qualität der Stellen zum Teil äußerst schlecht (ein Beweis dafür, dass die “Selbstregulierung” des Marktes nicht immer funktioniert). Deshalb ist der Weg über eine Beschwerde bei den Ombudsstellen nicht zu empfehlen.

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3 Comments

  1. Guten Abend,

    auch mir wurde das P-Konto mit Bezug auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen bei der Fidor Bank Zum 31.10.2019 gekündigt. Der Kündigung habe ich widersprochen, da ich erst am 2.9.2019 durch Aufruf der Mail vom 31.08.2019 erfahren habe. Seitens der Bank wurde dieser Widerspruch abgelehnt.

    Daraufhin wurde ein Antrag auf ein Basiskonto gestellt. Die Bearbeitung des Antrages verzögert sich allerdings aus nicht nachvollziehbaren Gründen. So wurde behauptet, ich hätte laut Schufa noch weitere Girokonten. Nach Vorlage der Unterlagen, aus denen eindeutig hervorgeht, dass dem nicht so ist und es sich um alte und längst gekündigte Kontoverbindungen handelt, forderte die Bank alte Kündigungsschreiben der Banken an. Inzwischen prüft man bereits seit mehreren Tagen meinen Postident. Telefonische Anfragen laufen ins Leere, Mails hierzu werden nicht beantwortet.

    Am 5.11.2019 hatte ich plötzlich Zugriff auf mein Konto/Karte und konnte Transaktionen per PIN und TAN durchführen können. Nach diesen Transaktionen wurde dann plötzlich mein Restguthaben auf ein internes Fidorkonto überwiesen, obwohl vereinbart wurde, dieses Guthaben auf ein Konto meines Freundes zu überweisen. Telefonisch wurde mir dies auch am 5.11.2019 bestätigt, die Überweisung sollte am 6.11.2019 erfolgen. Telefonische Aussage von heute, wird noch geklärt… Fachabteilung…. Gespräch wurde einfach beendet. Wie schon etliche Male zuvor. Mitschnitte existieren und liegen ja auch der Fidorbank zur Qualitätssicherung vor. Inzwischen habe ich auch festgestellt, dass die Zurückhaltung von meinem Restguthaben nicht rechtens ist, da die Fidor Bank Zahlungsein- und Ausgänge nicht monatlich abrechnet, sondern Monatsende bis Monatsende. Somit werden immer zwei Rentenzahlungen pro Monat als Eingang gerechnet.

    So langsam verzeifel ich. Vielen Dank für die zahlreichen Hinweise auf Ihrer Homepage. Hätte ich die doch nur früher gefunden.

    Mit freundlichen Grüßen


    ANTWORT: das ist alles andere als erfreulich. Man muss hier allerdings auch ganz klar sagen, dass die von Ihnen erlebten Nachteile und Belastungen allein dadurch ausgelöst werden, dass die Bank ohne nachvollziehbaren Grund einfach kündigt. Der eigentliche Skandal ist, dass ein derartiges Verhalten generell noch möglich ist. Der Gesetzgeber hält sich da gern zurück, denn zum einen hatte er noch nie ein besonderes Einfühlungsvermögen für den Schuldner und zum anderen ist der Eingriff in die sogenannte Privatautonomie (und der ist ja unvermeidbar, wenn man der Bank verbietet, willkürlich zu kündigen) sehr negativ konnotiert. Zu Unrecht, wie ich denke, denn das Verhältnis zwischen Bank und Kunden findet nicht auf derselben Ebene statt, der Bankkunde ist auf einen besonderen Schutz (gerade wegen der Wichtigkeit des Kontozugangs) angewiesen. Privatautonomie hingegen setzt eine Ebenbürtigkeit voraus. Einen derartigen Schutz kann man nur durch einen Eingriff in die Privatautonomie sicherstellen. Was ich damit sagen möchte ist, dass der eigentliche Schuldige weiterhin der Gesetzgeber ist. Man sieht daran auch, dass das Basiskonto nicht alle Probleme löst und Banken hier auch wieder nach Möglichkeiten suchen, es dem Bankkunden schwer und sich selbst besonders leicht zu machen. Bei der Einführung des P-Kontos hat es Jahre gedauert, bis die Sachen einigermaßen in der richtigen Spur waren, und dazu kam es auch nur, weil die Verbraucherschutzverbände Banken reihenweise und konsequent abgemahnt hatten. Ich kann jetzt nur hoffen, dass das beim Basiskonto auch so sein wird, insbesondere bei den Kosten ergibt sich zwischenzeitig, dass Banken (wie anfänglich bei den P-Konten auch) jedes Maß verlieren. Leider nützt Ihnen das momentan nicht sehr viel.

  2. Fidorbank hat p Konto gekündigt zum 31.10 ich habe jetzt leider erst ein neues Konto gefunden da mein letzter Lohn 15.10 ging nochmals auf das Fidor Konto. abheben und überweisen könnte ich allerdings erst ab 1.11 wieder. also immer ab ersten des Monats. Gekündigt wurde das Konto fristgerecht. Nach wohl § 19 der Bank was immer das heißt. frage ist das ganze restguthaben nun weg oder was passiert damit. danke im vorab


    ANTWORT: Die Banken bedienen sich oft einer einheitlichen AGB, und dort ist es regelmäßig die Ziffer 19, die die Kündigungsmöglichkeit von Konten geregelt. Diese ist mit Ausnahme von Sparkassen immer ohne besondere Gründe möglich und wird nur eingeschränkt durch die Selbstverpflichtung der Banken, die allerdings in der Praxis nur nach Gutdünken beachtet wird (also das Papier nicht wert ist, auf dem sie steht). Sie können, sobald eine Kündigung da ist, die Bank zwingen, ein Basiskonto für Sie zu führen. Dieses Basiskonto hat die gleichen Leistungen, wie ein sonstiges als P-Konto geführtes Konto. Da Sie nun aber schon die Bank gewechselt und ein neues Konto haben, stellt sich diese Frage natürlich nicht mehr. Das Problem, das Sie nunmehr haben ist, dass Sie auf Guthaben auf dem Konto der Fidorbank ausschließlich zugreifen können, wenn dies (noch) ein P-Konto ist. Wenn Sie bei der Fidorbank kein P-Konto mehr unterhalten, wenn der Eingang erfolgt, dann können Sie auf dieses Geld nicht mehr zugreifen. Bei einer fristgemäßen Kündigung dürfte eine solche Situation eigentlich nicht eintreten, da dann genügend Zeit bleibt, die Eingänge auf ein neues Konto umzuleiten. Falls das Konto derzeit noch formal besteht, müssten Sie es so lange noch als P-Konto führen, bis keine Eingänge dort mehr zu erwarten sind. Das bedeutet dann natürlich auch, dass bis dahin das neue Konto nicht als P-Konto geführt werden kann. Allerdings ist die Gefahr, dass ein neues Konto einer anderen Bank kurzfristig ebenfalls gepfändet wird, eher gering, da die Gläubiger davon positiv Kenntnis haben müssten. Wenn der Kündigungsablauf allerdings so ist, dass die mögliche Auszahlung auch auf dem P-Konto nicht mehr vor der Kündigungswirkung erfolgen kann, können Sie nur noch Anträge beim Vollstreckungsgericht auf Freigabe stellen. Das geht dann natürlich nicht mehr mit den Freigabeanträgen für das P-Konto (§ 850k Abs. 4 ZPO), sondern nur noch nach allgemeinen Auffangregeln.

  3. Guten Tag

    Ich bin noch Kunde der Fidor Bank.
    Am 26. August habe ich ein P Konto beantragt. Das würde auch gleich erledigt, ohne Probleme.
    Am 28.8 habe ich dann die Kündigung des P Kontos erhalten.

    Damit das P Konto ausgeglichen wird habe ich eine Geldanlage gekündigt.
    Das Guthaben ging am 24. September auf das P Konto ein.
    Seit dem ” friert” das Geld auf dem Konto.
    Ich komme mit der Fidor Bank auf keine Einigung mehr.

    Danke für die ausführlichen Informationen auf diesen Seiten.

    Natürlich habe ich schon die ersten Absagen von Banken erhalten, über ein neues Girokonto.
    Mit freundlichen Grüßen

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